Lippengrind beim Schaf

Lippengrind bei Schafen

Lippengrind ist eine Hautkrankheit und Allgemeininfektion der Schafe und wird durch das ORF-Virus verursacht und ist weltweit verbreitet und hoch ansteckend. Die Übertragung erfolgt durch Kontakt, über die Luft und über abgefallene Krusten und Borken. Lämmer werden meistens schon bei der Geburt angesteckt. Auch die Übertragung auf den Menschen ist möglich und ruft kleine Hautausschläge hervor!

Man unterscheidet zwischen 3 Verlaufsformen:

Lippen- und Kopfform:

An der Ober- und Unterlippe und im Bereich der Nasenlöcher bilden sich in etwa erbsengroße Bläschen, die in warzenähnliche Krusten übergehen und anschließend wieder abfallen. Werden die Krusten von den Schafen abgerieben, bluten diese Stellen. Diese Form endet nach ungefähr zwei Wochen auch ohne Behandlung.

Bei mangelndem Schutz und ungünstigen Haltungsbedingungen kann dies aber in einem bösartigem Verlauf enden und die Hautareale entwickeln sich zu zentimeterdicken, blumenkohlartigen Belägen, die sich durch Schmutzkeime bakteriell infizieren. Die Tiere bekommen Fieber, ein geschwächtes Allgemeinwohlbefinden und sondern sich von der Herde ab. Nach wenigen Tagen verenden diese Tiere infolge Verweigerung von Wasser und Futter.

Fußform:

Von dieser eher seltenen Variante des Lippengrindes sind die Fesselbeuge, Kronsaum und Zwischenklauenspalt betroffen. In Extremfällen kommt es hierbei zum Ausschuhen, also zum Lösen des kompletten Hornschuhes vom Klauenbein.

Genitalform:

Typisch für diese Verlaufsform sind entzündliche Veränderungen an den Schamlippem, dem Euter einschließlich Zitzen, an der Schwanzunterseite und den Schenkelinnenflächen. Zu Beginn sind es etwa 0,5mm große gerötete Knötchen oder Pusteln, welche sich zu einer einheitlichen, stark geröteten Hautfläche entwickeln können. Nicht selten tritt dabei auch eine Euterentzündung auf.
Mutterschafe verweigern auf Grund der Schmerzen ihren Lämmern das Saugen.

 

Infektion und Inkubation:

Hauptüberträger sind latent infizierte, d.h. klinisch unverdächtige Tiere. Besonders gefährdet sind mutterlos aufgezogene Lämmer, aber auch immunschwache ältere Tiere (beispielsweise bei starker Belastung durch Innenparasiten). Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 8 Tage.

Behandlung:

Betroffene Tiere müssen nicht von der Herde getrennt werden, da sich vermutlich bereits alle damit angesteckt haben. Der Tierarzt kann durch den Einsatz von Paramunitätsinducer die körpereigene Abwehr kurzfristig stimulieren. Bei leicht erkrankten Tieren sollten zweimal täglich zinkoxidhaltige Salben auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden.
Bei bösartiger Verlaufsform ist aus Tierschutzgründen sofort ein Tierarzt zu verständigen.

Vorbeugung:

In Deutschland ist zur Zeit kein Impfstoff vorhanden. In anderen Ländern wird 4 Wochen vor dem Lammen  ein Lebendimpfstoff verabreicht.